DiagnosticNews . Juli 2009 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Naht das Ende der Krise?

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
die neueste Veröffentlichung des französischen Bundesamtes für Statistik
(„INSEE“) könnte zumindest einen Hoffnungs schimmer in dieser Richtung aufkommen
lassen. Danach gehen die Prognosen vom „INSEE“ davon aus, dass das französische
Bruttosozialprodukt nach einem Rückgang von 1,2% im ersten Quartal 2009 eine weitere
Verringerung von 0,6% und 0,2% im zweiten und dritten Quartal und im letzten
Quartal die Stabilisierung erreichen wird. Optimisten interpretieren diese
Prognose als ein Zeichen, dass das Schlimmste bereits hinter uns liegt,
wohingegen pessimistische Analysten darauf hinweisen, dass der Aufschwung
frühestens in 2010 einsetzen wird. Als gemeinsames Ergebnis resultiert
hieraus jedoch, dass für 2009 von einem Rückgang des BSP von 3% ausgegangen wird.
Dies entspricht auch den derzeitigen öffentlichen Ankündi gungen der französischen
Regierung. Frankreich würde damit wesentlich besser als seine europäischen
Nachbarn die derzeitige Wirtschaftskrise hinter sich bringen, nachdem als
europäischer Durchschnitt der Rückgang von 5,2% angegeben wird. Leider sieht es
jedoch auf dem Arbeitsmarkt keineswegs rosig aus. Hier glaubt das „INSEE“,
dass bis Ende 2009 insgesamt 700.000 Arbeits plätze für das Gesamtjahr verloren
gehen und die Arbeitslosigkeit damit 10,5% der aktiven Bevölkerung ausmachen
werde. Damit würde der Höchst stand von vor 10 Jahren wieder eintreten.
Aber auch die französische Verschuldung erreicht nunmehr bisher nicht gekannte
Ausmaße, wobei die bereits angekündigten spektakulären Budgetdefizite für 2009
und ebenfalls für 2010 von 7 bis 7,5% einen weiteren rasanten Anstieg zur Folge
haben werden. Ein Ende ist nicht in Sicht, schon gar nicht nach der letzten
Ankündigung von Staatspräsident Sarkozy, sich keine restriktive Ausgabenpolitik
aufdrängen zu lassen und zwecks Durchführung weiterer Reformvorhaben bis zur
Jahreswende eine Staatsanleihe auflegen zu wollen.
Vielleicht, um positiv zu bleiben,
könnten ja die oben angeführten Optimisten Recht haben; was jedoch danach auf uns wartet,
ist keineswegs beruhigend.
Bald beginnt in Frankreich wieder das alljährliche Sommerloch und die Vertröstung auf die „Rentrée“. Auch wir möchten uns dieser Tradition nicht verschließen und Ihnen eine erholsame Sommerpause wünschen. Die nächste DiagnosticNews-Ausgabe wird Ihnen wieder Anfang September vorliegen.
Ihre DiagnosticNewsRedaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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