DiagnosticNews . Juni 2009 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Das erste Quartal 2009

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
die Zahlen für die ersten drei Monate liegen nunmehr auf dem Tisch. Das erste Quartal 2009 brachte für Frankreich einen Rückgang des BIP auf -1,2%. Damit wurden die letzten Hoffnungen auf ein noch einigermaßen vertretbares Jahr 2009 definitiv begraben. Die neue Prognose des BIP für das laufende Jahr wurde nunmehr auf -3% festgelegt. Sicherlich steht damit Frankreich besser dar als der europäische Durchschnitt von -3,3% und wesentlich besser als der Nachbar jenseits des Rheins, für den die neueste Hochrechnung ja mit -6% angegeben wurde. Dies ist leider nur ein schwacher Trost. Als Gründe für den bisher weniger gravierenden Rückgang des BIP dürfte einmal der traditionell wesentlich geringere Anteil des französischen Exports am Gesamtwirtschaftsaufkommen und zum anderen die nur mäßige Produktion an Ausrüstungsgütern („biens d’équipement“) zu nennen sein. Des Weiteren ist trotz Krise ein resistenter Konsum der Haushalte (+0,2%) zu verzeichnen.
Das größere Übel Frankreichs ist jedoch die bereits seit Jahren bestehende und nunmehr automatisch weiter ansteigende hohe Verschuldung. Durch die Hinzurechnung des SFEF, einem halbstaatlichen Finanzierungsinstitut, zu den offiziellen Staatsschulden, steigt der Verschuldungsgrad in 2009 auf 80% des BIP. Das Haushaltsdefizit, das bereits in 2008 bei 3,4% lag, wird sich auch in 2009 rein rechnerisch aufgrund des negativen Wachstums weiterhin verschlechtern.
Alles in allem keine guten Aussichten. Diese angespannte Schuldenlage hinderte Frankreich bisher auch an der Auflage eines von vielen Seiten geforderten weiteren Konjunkturprogramms. Ob die Regierung an dieser Position festhalten kann, wird der weitere Verlauf der Krise zeigen.
Wir wünschen Ihnen nunmehr etwas Spaß bei der Lektüre der Artikel zu mehr technischen Problemen und einige Anregungen für Ihre Tagesarbeit.
Ihre DiagnosticNewsRedaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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