DiagnosticNews . Mai 2009 [aktuelle Ausgabe]
Aktuell . Reform bei der französischen Kaderschmiede ENA
Das System der Jahrgangsbesten verschwindet
Die hohen Staatsdiener Frankreichs rekrutieren sich weiterhin vornehmlich aus der „Ecole Nationale d’Administration“ („ENA“), die zu den „Top Grandes Ecoles“ gehört und 1945 von General de Gaulle gegründet wurde. Seit ihrer Entstehung wurden bisher 5.600 Schüler dort ausgebildet. Es bestehen drastische Selektionsverfahren. 2005 wurden von 1.750 Schülern, die nach den vorausgegangenen strikten Ausleseprozeduren noch übriggeblieben waren und sich dem spezifischen „ENAConcours“ unterworfen hatten, 90 ausgewählt. Die Ausbildungszeit – man kann nicht von einem Studium sprechen – beträgt bisher 27 Monate. Das vom Staat zu tragende Jahresbudget beläuft sich auf 40 Mio. €
Die „ENA“ kennt als eine der wenigen, wenn nicht sogar als einzige „Grande Ecole“ das System der Jahrgangsbesten. Nur die 15 Ersten eines Jahrgangs sind auserkoren für die Spitzenkarrieren, die der französische Staat zu vergeben hat (wie als: „Inspecteur Général des Finances“, beim „Conseil d’Etat“ oder „Cour des Comptes“). Bei der „ENA“ heißt es also, nicht nur reinkommen, sondern – wenn irgendwie möglich – unter den TOP 15 die Schule verlassen. Dieses System führte zu einem unerbittlichen Wettstreit und viel Neidgefühl während der Ausbildung.
Dies soll nun aufhören. Mit dem Jahrgang 2012 wird laut einem Regierungserlass dieses System beendet sein. Des Weiteren ist ab Herbst 2009 vorgesehen, eine Vorbereitungsklasse („classe préparatoire“), die 15 Schülern aus den unteren Sozialschichten vorbehalten ist, einzurichten. Die „Demokratisierung“ der „ENA“ soll weiter vorangetrieben werden. Heute ist sie immer noch eine Hochburg für Kinder aus den „besseren“ Kreisen.

nach oben