DiagnosticNews . Mai 2009 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Was steckt hinter den Sequestrationen?

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
die Festsetzung einiger französischer Unternehmensverantwortlicher durch Belegschaftsmitglieder lässt eine Vielzahl von Problemen und Missständen, die natürlich in der Krise besonders drastisch in Erscheinung treten, erkennen. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein neues Phänomen, vielmehr hat diese Vorgehensweise bereits einige Tradition. Es zeigt wieder einmal, dass Frankreich Schwierigkeiten hat, die Unternehmenskultur zu akzeptieren. Ganz generell muss der fehlende oder auch nur unzureichende „dialogue social“, der Austausch zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter, als Grundübel hervorgehoben werden. Aber auch die Vorzeigefunktion der französischen „Patrons“, die durch einige schockierende „golden Parachutes“ und weit überhöhte Prämienzahlungen stark angekratzt wurde, dient ebenfalls als Vorwand für die Ausschreitungen.
Hinzu kommen aber auch spezifische Gründe, die bei den Unternehmen der festgehaltenen Chefs zu suchen sind.
Zunächst ist festzustellen, dass es sich vorwiegend um Tochtergesellschaften ausländischer Gruppen handelt. Es wird ihnen vorgeworfen, besonders harte Personalpolitik betrieben und wenig Verständnis für die Besonderheiten des französischen Sozialrechts aufgebracht zu haben.
Es ist leider zu befürchten, dass die derzeitige, in vielen Betrieben notwendige Entlassungswelle noch zu weiteren Entgleisungen in anderen Unternehmen führen kann. Das intensive, gut begründete Vorgespräch zwischen den Sozialpartnern dürfte mehr denn je von Bedeutung sein.
Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß und einige weitere Anregungen bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe.
Ihre DiagnosticNewsRedaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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