DiagnosticNews . Mai 2011 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Viel Lärm um wenig

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
jetzt ist es also raus. Das
seit September letzten
Jahres gehandelte Thema
„
Abschaffung der Vermögensteuer
–
oder nicht“ ist
endlich gelöst. Die Befürworter
der radikalen
Lösung, nämlich der totalen Beseitigung
dieses französischen Anachronismus
konnten sich nicht durchsetzen.
Präsident Nicolas Sarkozy – mit bereits
direktem Blick auf die kommenden
Wahlen 2012 – zog eine abgespeckte
Variante, d.h. aber auch den Weiterbestand
der Vermögensteuer vor. Dabei
wäre nach dem Wegfall der Steuerdeckelung
(„bouclier fiscal“), die bisher
die Auswirkungen dieser Steuer nicht
unwesentlich einschränkte, eine totale
Abschaffung nur logisch gewesen.
Ebenso hätte eigentlich im Hinblick auf
die bestehenden „Steuer-Harmoni sierungsbestrebungen“
zwischen Frankreich
und Deutschland damit gerechnet
werden können.
Aber die Mehrheit der Franzosen wünscht anscheinend die Weiterführung dieser „Neidsteuer“. Bei der vorliegenden Minireform wurden, durch die Heraufsetzung der Einstiegsschwelle von bisher rd. 800 auf 1300 T€, rd. 260.000 Vermögensteuerzahler von dieser Belastung befreit. Auf der Basis 2010 würden lediglich noch 280.000 Personen vermögensteuerpflichtig bleiben. Da nach dem neuen Vorschlag – der noch der Genehmigung des Parlaments bedarf – keine Freigrenzen mehr bestehen und auch die Beschränkung nach oben wegfallen sollen, dürfte sich die Belastung der restlichen zumindestens der größeren Vermögensbesitzer, trotz Reduzierung der Sätze (auf 0,25% und 0,50%), erhöhen. Bei dieser Kategorie von Steuerpflichtigen zeigt die Streichung des „bouclier fiscal“ ihre volle Auswirkung.
Der Druck auf die großen französischen Vermögen dürfte damit wie bisher – ohne den obigen Milderungseffekt mehr geltend machen zu können – weiterbestehen bleiben. Gleichzeitig soll und zwar noch wirksam in 2011 eine „Exit- Tax“ für Steuerpflichtige, die ihren französischen Steuerwohnsitz aufgeben, eingeführt werden.
Der Wahlkampf hat begonnen. Es ist noch mit vielen interessanten, aber auch problematischen Vorschlägen zu rechnen. Hierunter fällt auch die angekündigte obligatorische Arbeitnehmerprämie für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern, die in 2011 ihre Dividen denausschüttungen erhöhen werden. Wir werden noch darüber berichten.
Viel Spaß bei der Lektüre und einige Anregungen für das Tagesgeschäft wünscht Ihnen
Ihre DiagnosticNews-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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