DiagnosticNews . Juli 2010 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Frankreich erholt sich nur langsam

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
die französische Wirtschaft kommt nur langsam in Schwung. Im ersten Quartal 2010 war ein äußerst geringer Wachstumsanstieg von 0,1% zu verzeichnen, der jedoch im laufenden Quartal (bis Ende Juni) durch ein starkes Anheben auf 0,5% ausgeglichen werden soll, um insgesamt für 2010 eine Erhöhung des BSP von 1,4% zu gewährleisten. Die positiven Aussichten sind in erster Linie auf den starken Exportanstieg, begünstigt durch die Schwäche des Euros, zurückzuführen.
Auf dem Arbeitsmarkt ist erstmalig – nach sechs Quartalen ständigen Rückganges der Beschäftigung, eine Stabilität eingetreten. In 2009 waren 340.000 Arbeitsplätze verloren gegangen; für das laufende Jahr 2010 wird mit der Schaffung von 50.000 neuen Stellen gerechnet, aber insgesamt wird weiterhin von einer hohen Arbeitslosigkeit von 9,5% ausgegangen.
Auch Frankreich hat sich schließlich auf die Seite der „Haushaltssanierer“ und „Schuldenabbauer“ geschlagen. Ob wohl die Wörter „Krise“ und „Sparpolitik“ („austérité“) weiterhin im Sprachgebrauch der Regierung verpönt sind, wird nunmehr an dieser Priorität im Vergleich zu einer staatlichen Konjunkturankurbelung mit entsprechenden Steuererleichterungen kein Zweifel mehr gelassen. Zwar wird von vielen Kommentatoren staatlicher oder auch privater Herkunft die „deutsche Richtung“ intellektuell stark kritisiert, in der Realität werden jedoch bereits andere Wege beschritten. Das gewaltige Sparpaket der englischen Regierung hat dabei einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet. Nunmehr sollen Steuernischen abgebaut werden, und selbst Steuererhöhungen werden nicht mehr ausgeschlossen.
Es ist davon auszugehen, dass die im Augenblick noch heftig diskutierte Rentenreform nach dem französischen Sommerloch im September die parlamentarische Hürde nehmen wird. Es wird sich zeigen, wie sich diese Maßnahmen kurzfristig auf die Konjunktur auswirken werden. Mit dem üblichen Motor, dem Konsum der französischen Haushalte, ist im Moment leider nicht zu rechnen.
Aber jetzt kommt ja erstmal die Urlaubszeit; … man wünscht sich
hier bereits „bonnes vacances“ und verschiebt alles … „à la
rentrée“.
Viel Spaß bei der Lektüre und bis zur nächsten Ausgabe im
September wünscht Ihnen
Ihre DiagnosticNewsRedaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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