DiagnosticNews . Februar 2010 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Schwieriger Start

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
alles war so schön vorbereitet für den Start der französischen
Klimasteuer (CO2) zum 1. Januar 2010. Da kam der Rückpfiff des Verfassungsgerichtshofes,
der Präsident Sarkozy zunächst einen Strich durch sein Prestigevorhaben
machte. Aber es bleibt nicht bei diesem einen Ausrutscher. Auch die Abschaffung
der „anti-ökonomischen“, seit Einführung vor 35 Jahren
heftigst kritisierten „taxe professionnelle“ (Gewerbesteuer) ging
nur nach äußerst schwierigen parlamentarischen Diskussionen zwischen
beiden Instanzen (Nationalversammlung und Senat) über die Bühne.
Und die übriggebliebene Ersatzabgabe ist keineswegs zufriedenstellend.
Einen weiteren Imageschaden musste Präsident Sarkozy bei seiner Wahl des
neuen CEO für das Staatsunternehmen EDF hinnehmen. Eine aktive „Industriepolitikmaßnahme“ durch
den „Elysée-Palast“ ging vollkommen in die Hose. Statt einen
bisher so erfolgreichen Manager wie Henri Proglio für EDF gewonnen und
damit eine wichtige Personalentscheidung herbeigeführt zu haben, wurde
eine nicht enden wollende Diskussion über erhöhte Managergehälter
und Machtanhäufungen in der französischen Wirtschaft vom Zaun gebrochen.
Die Pannen kommen zum schlechtesten Zeitpunkt. Seit einem Monat versucht der französische Präsident, von seinem bisherigen „Sturm-und-Drang“- Stil etwas abzurücken, um mehr den bedachten, ermahnenden Staatsmann – dazu eignet sich grundsätzlich der traditionelle französische „Neujahrsbotschaftsmonat“ Januar besonders gut – in den Vordergrund zu stellen. Zu allem Verdruss stehen auch die Regionalwahlen im März 2010 ins Haus, die zwar ohne direkte Auswirkung auf die Regierungsarbeit sind, jedoch ein wichtiges Stimmungsbarometer der beinahe dreijährigen Präsidentschaft von Sarkozy darstellen.
Angenehme Lektüre und einige Anregungen hieraus für ihre Tagesarbeit im Frankreich-Geschäft wünscht Ihnen
Ihre DiagnosticNewsRedaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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