DiagnosticNews . September 2008 [aktuelle Ausgabe]
Editorial . Sarkozys zweite Chance

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
trotz einiger Startschwierigkeiten und auch einer überzogenen Darstellung der eigenen Privatsphäre – die Sarkozysche Dampfwalze rollt mittlerweile unaufhaltsam. Die zahlreichen, teilweise auch diskret durchgeführten Reformen weisen den richtigen Weg auf. So wurde mit der völligen Erbschaftsteuerbefreiung zwischen Ehegatten gleich zu Beginn ein Meilenstein gesetzt. Die 35-Stundenwoche, auch wenn sie rechtlich weiterbesteht, wurde total ausgehöhlt. Die französischen „Cadres“, die ursprünglichen Gewinner der Arbeitszeitverkürzung, müssen sich auf einen Rückgang ihrer „freien Tage“ (RTT) einstellen. Die Einführung von steuer- und sozialversicherungsbefreiten Überstunden wurde bisher von 38% der privaten Unternehmen genutzt. Das Gesetz zur „Modernisierung der Wirtschaft“, das Ende Juli 2008 in Kraft trat, versucht u.a. durch die Senkung gewisser Registersteuern die Übertragung von Klein-/Mittelbetrieben zu erleichtern.
Die weiteren notwendigen Reformen müssen nun in einem schwierigeren Umfeld vollzogen werden. Die im August veröffentlichten Zahlen für das französische Wachstum im zweiten Quartal 2008 waren alarmierend. Das BIP wuchs nicht mehr, fiel sogar auf -0,3%. Das chronische Defizit des französischen Außenhandels erhöhte sich wiederum, und als letzte Hiobsbotschaft war ein starker Rückgang des privaten Konsums zu verzeichnen. Die französische Regierung sieht derzeit keine Rezessionsgefahr und lehnt massive Ankurbelungsmaßnahmen ab. Das bestehende Wachstumsziel für 2008 von 1,7% bis 2%, bei Aufrechterhaltung des Abbaus des Budgetdefizits wird nicht geändert. Es bleibt also weiterhin spannend.
Viel Spaß und einige Anregungen bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe wünscht Ihnen
Ihre DiagnosticNews-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr


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