DiagnosticNews . Mai 2008 . Editorial
Präsident Sarkozys erstes Amtsjahr

- Dr. Kurt Schlotthauer
Lieber Leser,
mit einem Feuerwerk von Reformankündigungen begann die Präsidentschaft
von Sarkozy vor einem Jahr. Alte Traditionen wurden über Bord geworfen.
Ein neuer, bisher unbekannter Stil zog in den Elysée Palast ein.
Die in Lethargie verfallene alte Präsidentschaft war zu Ende. Eine
Reform – davon gab es a ngeblich bisher über 55 – jagte die andere.
In der Zwischenzeit hat sich jedoch das Bild völlig verändert. Die hohe Popularität des Präsidenten ist in Ablehnung umgeschlagen. Hoffnung ist bei seinen Anhängern Ernüchterung gewichen. Die Opposition ist erwacht und hat sich formiert. Hinzu kommt die internationale Finanzkrise. Frankreich geht äußerst geschwächt in den sich abzeichnenden Abschwung. Das im August 2007 noch ganz in der Euphorie des Wahlsieges verteilte „Steuerpaket“ („paquet fiscal“) mit mehr als 15 Mrd D Steuererleichterungen brachte nicht die erhoffte Konsumbelebung, sondern leere Kassen. Das Ergebnis zeigte sich postwendend: Erhöhung der Staatsverschuldung (64,7% des BIP) und des Budgetdefizits (2,7% des BIP) bei gleichzeitigem schwachem Wachstum von nur 1,9% und Anstieg des chronischen Handelsbilanzdefizits auf über 40 Mrd D.
Es besteht also weiterhin dringender Handlungsbedarf. Grundsatzreformen, bei gleichzeitiger strenger Haushaltsführung sind nicht nur anzukündigen, sondern auch umzusetzen. Wie Sarkozys letzter Fernsehauftritt dokumentieren sollte, ist seine grenzenlose Dynamik ungebrochen. Wird dies aber ausreichen?
Es bleibt also weiterhin spannend in Frankreich, und auch im zweiten Präsidentenjahr gibt es sicherlich weiterhin viel zu berichten.
Viel Spaß und einige Anregungen bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe wünscht Ihnen
Ihre DiagnosticNews-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer


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