DiagnosticNews . März 2008 .  Editorial

Frankreich versucht die Kaufkraft zu stärken

Dr. Kurt Schlotthauer

Lieber Leser,
der Konsum der französischen Haushalte ist auch im Januar 2008 gefallen. Die derzeitig unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven, die äußerst hohe Inflationsrate und eine gleichzeitige starke Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen sind nur einige Gründe hierfür. Die Ankurbelung der Kaufkraft soll durch ein Anfang Februar 2008 hierzu erlassenes Gesetz – wir berichten hierüber ausführlich in der vorliegenden Ausgabe – erfolgen.

Ob die aus der unglücklichen 35-Stunden-Wochen-Regelung stammenden zusätzlichen Urlaubstage („RTT“), die pro Unternehmen teilweise mehr als zehn Tage ausmachen, in Mehrgehalt umgesetzt werden können, dürfte von Firma zu Firma sehr unterschiedlich sein. Darüber hinaus ist der finanzielle Anreiz für die Unternehmen für die Periode 2008 und 2009 äußerst gering, wobei die Durchführung sicherlich auch nicht einfach sein wird.

Auch die andere Maßnahme – die vorzeitige Auszahlung der Gewinnbeteiligung muss kritisch bewertet werden. Bereits in 2005 brachte ein identischer Vorgang nur einen moderaten Erfolg.

Die Verbesserung der Kaufkraft kann nur als mittel- bzw. langfristiges Ziel angesehen werden. Hierzu bedarf es noch vieler Reformen. Für kurzfristige Steuererleichterungen ist kein Geld mehr vorhanden, nachdem der Staatshaushalt durch übereilte Maßnahmen im Herbst 2007 stark in Mitleidenschaft geriet.

Das wiederum hohe französische Handelsdefizit, für das es viele Erklärungen gibt, zeigt aber u.a ein wichtiges Strukturproblem des Landes: die Großkonzerne wachsen weiter, dabei aber insbesondere im Ausland, und der Mittelstand ist weiterhin viel zu schwach.

Wir dürfen Ihnen nunmehr viel Spaß bei der Lektüre und einige neuere Erkenntnisse für Ihre Tagesarbeit im Frankreichgeschäft wünschen.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr

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