DiagnosticNews . Februar 2006 . Konjunktur

Kreative Buchhaltung

Frankreich unterschreitet die 3%-Haushaltsdefizitgrenze

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton konnte ein kleines "Budgetwunder" ankündigen. Das französische Haushaltsdefizit 2005 hält sich in den Maastrichter Grenzen und liegt erstmals wieder unter 3% des BSP. Diese erfreuliche Nachricht ist jedoch keineswegs auf eine besonders strenge Führung der öffentlichen Finanzen zurückzuführen, sondern beruht in erster Linie auf einer Änderung der Basis für die Körperschaftsteuervorauszahlungen. Völlig unbeachtet war nämlich durch das modifizierte Haushaltsgesetz 2005 ("Loi de Finances") die am 15. Dezember fällige Körperschaftsteuervorauszahlung, die bisher auf den Istzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres (2004) beruhte, auf die neuen Planzahlen für 2005 umgestellt worden. Diese Änderung betraf Großunternehmen mit einem Umsatzvolumen ab 1 Mrd. D. Als Begründung für diese neue Berechnungsweise wurde vom zuständigen Ministerium "eine bessere Anpassung der Steuereinnahmen an die aktuelle Wirtschaftslage" angegeben.

Die Dezembervorauszahlung 2005 führte tatsächlich zu Steuermehreinnahmen von rd. 1,5 Mrd. D. Der Überschuss ist aber nicht nur auf die derzeit gute Finanzlage der französischen Großunternehmen zurückzuführen, sondern auch auf die Angst vor Steuerstrafen, die bei zu gering angesetzten Vorauszahlungen später zu entrichten sind.

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