DiagnosticNews . September 2005 . Editorial
Die ersten hundert Tage von Dominique de Villepin

- Dr. Kurt Schlotthauer
Das gescheiterte Referendum hat Präsident Chirac mächtig unter Druck gesetzt. Die neue französische Regierung, die gerade ihre ersten 100 Tage hinter sich gebracht hat, übernimmt ein schweres Erbe und muss schnell Erfolge bzw. positive, realistische Erwartungen in Aussicht stellen.
Die derzeitige Wirtschaftslage ist aber alles andere als rosig. Die relativ ehrgeizigen Wachstumsraten der vorangegangenen Regierung von 2,0 bis 2,5% für 2005 dürften definitiv zu begraben sein, nachdem das zweite Quartal einen Totaleinbruch auf 0,1% zu verzeichnen hatte. Damit ist Frankreich in die Nähe des deutschen Nachbarn gerückt, und zusammen bilden nun beide Länder das Schlusslicht in der sowieso nicht wachstumsstarken EUWirtschaftszone. Aber auch gegen die hohe, nicht rückläufige Arbeitslosigkeit (9,9%), deren Bekämpfung vom Staatspräsidenten selbst zur absoluten Priorität erklärt wurde, sind kurzfristig schnellgreifende Maßnahmen zu finden. Das nun vorliegende Programm der Regierung de Villepin versucht über eine Reihe von fiskalischen Anreizen die Kaufkraft und damit das Wachstum anzukurbeln. Durch den neu eingeführten Einstellungsvertrag („Contrat Nouvelle Embauche“ – „CNE“) möchte die Regierung ganz pragmatisch mehr Flexibilität bei der Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern in mittelständischen Unternehmen erreichen und damit ein oft bestehendes Hemmnis für eine entsprechende Entscheidung beseitigen. Ministerpräsident de Villepin wird bei seinen Reformen und der Suche nach kurzfristigen Erfolgsrezepten von Nicolas Sarkozy, dem Konkurrenten im eigenen Lager, indirekt permanent angespornt. Sarkozy, der derzeitig einzige offizielle Anwärter auf den französischen Präsidentenposten in 2007, möchte durch sein noch viel weiterreichendes Programm (drastische Steuererleichterungen, Reduzierung der Arbeitslosigkeit auf 5%, teilweise Abschaffung der 35-Stunden-Woche etc.) seine Nominierung durch das rechte Lager sicherstellen.
Der persönliche Ehrgeiz und der Erfolgsdruck der beiden Politiker wird uns in den kommenden Monaten eine Fülle von interessanten und hoffentlich in die richtige Richtung weisenden Reformvorschläge bescheren.
In eigener Sache möchte ich auf das „Bilanzseminar“ hinweisen, das ich mittlerweile seit 30 Jahren, natürlich immer wieder modifiziert und auf den neuesten Stand gebracht, beim Forum Institut in Frankfurt durchführe.
Viel Spaß und einige Anregungen bei der Lektüre der vorliegenden Diagnostic News-Ausgabe wünscht Ihnen Ihre Diagnostic News-Redaktion.
Dr. Kurt Schlotthauer

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