DiagnosticNews . Juni 2005 . Editorial

Quo vadis Frankreich?

Dr. Kurt Schlotthauer

Frankreich hat gewählt – nicht gegen Europa, aber massiv gegen die derzeitige Regierung. Wie in Deutschland möchte auch der französische Wähler einen Wechsel. Dazu hat er das nächstliegende Mittel, das Referendum, zielstrebig ergriffen, aber leider auch missbraucht. Es wird einige Zeit dauern, bis der dadurch entstandene Schaden auf der europäischen Bühne behoben ist.

Leider ist aber auch die aktuelle Wirtschaftslage Frankreichs nicht gerade florierend. Nach mehreren Jahren stetigen Wachstums verzeichnet dieses im ersten Quartal 2005 nur noch eine Rate von 0,2%, und die weiteren Aussichten für das laufende Jahr sind auch nur mäßig. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau (10,1%) ohne Anzeichen eines sichtbaren Rückgangs, und auch die Handelsbilanz, Frankreichs Schwachpunkt, zeigt keine Anzeichen einer Verbesserung. Hinzu kommt erschwerend der Stimmungstiefstand in den privaten Haushalten, die bisher eine ständige Wachstumsquelle darstellten.

Frankreich braucht tief greifende Reformen, aber auch verständnisvolle Partner. Die engen deutsch-französischen Beziehungen („le couple franco-allemand“), die Keimzelle von Europa, wird in den nächsten Monaten auf eine Bewährungsprobe gestellt. Beide Länder, die jeweils füreinander den bedeutendsten Handelspartner darstellen, brauchen sich gegenseitig. Ihre enge Verbundenheit ist ein Garant für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Europäischen Union.

Ihre Diagnostic News-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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