DiagnosticNews . März 2005 . Editorial

Frankreich wächst weiter

Dr. Kurt Schlotthauer

2004 war ein recht gutes Jahr für das französische Wirtschaftswachstum. Die ursprüngliche Vorgabe von 2,5% für das Gesamtjahr konnte, dank eines überraschenden Anstiegs im 4. Quartal, dann doch noch eingehalten werden. Für die letzten fünf Jahre ergibt sich damit für Frankreich ein durchschnittliches Wachstum von 2,1%, knapp über dem europäischen Schnitt von 2%. Die vorliegenden Zahlen für Januar 2005 bestätigen die Fortdauer eines positiven Wachstumstrends. Der Privatkonsum, wesentlicher Motor des französischen Wachstums, stieg um 1,5% gegenüber dem Vormonat. Entgegen der Meinung einiger Wirtschaftsinstitute hält die Regierung deshalb auch weiterhin an ihrem Wachstumsziel von 2,5% für 2005 fest.

Ganz anders sieht es jedoch auf dem Arbeitsmarkt aus. Weder Wachstum noch 35-Stunden-Woche führten zu einer Verringerung der Arbeitslosenzahlen. Das ehrgeizige Ziel der sozialistischen Vorgängerregierung, 800.000 neue Arbeitsplätze durch die Arbeitszeitreduzierung zu schaffen, wurde nicht erreicht. Im Januar 2005 ist erstmalig seit vielen Jahren sogar die kritische Marke von 10% Arbeitslosen erreicht worden.

Einen weiteren Schwachpunkt stellt die hohe öffentliche Verschuldung dar. Zwar „verringerte“ sich das Haushaltsdefizit auf 3,7% nach 4,1% im Vorjahr. Dafür summieren sich Frankreichs öffentliche Schulden erstmals auf über 1.000 Mrd. EUR, und mit einer Verschuldung von 65,6% des BSP hält Frankreich nun auch ein weiteres Maastricht-Kriterium nicht mehr ein.

Der neue Finanz- und Wirtschaftsminister Thierry Breton erklärte deshalb auch unmittelbar nach seinem Amtsantritt den Abbau der Verschuldung und die Respektierung der europäischen Pflichten zur obersten Priorität für 2005. Die nächsten Monate werden zeigen, ob und wie die Wachstumsziele, die Arbeitslosigkeitsbekämpfung und die Steuerreduzierung bei gleichzeitiger Ausgabenbegrenzung in Einklang gebracht werden können. Der nunmehr sechste Finanzminister in der Regierung Raffarin muss beweisen, ob er seine brillante Unternehmerkarriere auch als Politiker fortsetzen kann. Wir werden mit Interesse darüber berichten.

Die vorliegende Diagnostic News-Ausgabe gibt Ihnen wiederum eine Auswahl an interessanten Themen, Gerichtsentscheidungen oder auch Empfehlungen für Ihre Frankreich betreffende Arbeit.

Viel Spaß und vielleicht auch einige Anregungen bei der Lektüre wünscht

Ihre Diagnostic News-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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