DiagnosticNews . September 2004 . Editorial
Kippt die 35-Stunden-Woche?

- Dr. Kurt Schlotthauer
Wer hätte das gedacht? Frankreich, das Land der „avantages acquis“ (erworbene Besitzstände) stellt die 35-Stunden-Woche wieder in Frage. Die Vereinbarung in einem Teilbetrieb von Bosch France, sechs Tage mehr pro Jahr ohne Lohnausgleich zu arbeiten, um damit einer Produktionsverlagerung nach Tschechien zu entgehen, hat zu viel Ungemach im politischen Sommerloch Frankreichs geführt.
Obwohl die momentane Regierung schon seit einiger Zeit von einer notwendigen Aufweichung der 35-StundenWochen-Regelung spricht – „Wer mehr arbeiten möchte, soll dies auch tun können, so Präsident Chirac – betrachtet sie das Abkommen von Bosch als „Erpressung und lehnt offiziell eine Mehrarbeit ohne Lohnausgleich ab.
Sicherlich, das Abkommen bei Bosch France betrifft nur einen geringen Personalanteil der gesamten Gruppe in Frankreich und wird auch von der Geschäftsführung als Sonderfall bezeichnet, aber die Signalwirkung ist erheblich.
Es ist das erste Mal seit der Einführung der 35-Stunden-Woche im Jahr 1998, die lange als nicht mehr rückgängig zu machen betrachtet wurde, dass sich die Arbeitszeit in die andere Richtung bewegt. Es ist des Weiteren besonders bemerkenswert, dass die Änderung weder von der rechten Regierung noch vom Arbeitgeberverband „Medef ausgeht, sondern direkt von einem einzelnen Unternehmen durchgesetzt wurde.
Die weitere Entwicklung dürfte spannend sein. Wir werden darüber berichten.
Viel Vergnügen und einige neue Erkenntnisse wünscht Ihnen für die Lektüre der vorliegenden Diagnostic News-Ausgabe
Ihre Diagnostic News-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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