DiagnosticNews . Juni 2004 . Editorial

Rückkehr zu einer aggressiven Industriepolitik in Frankreich?

Dr. Kurt Schlotthauer

Die Art und Weise des Zusammenschlusses von Aventis mit Sanofi-Synthélabo sowie die Bemühungen des neuen Finanzministers Sarkozy, Alstom in seiner Gesamtheit als französisches Unternehmen zu retten, haben die deutschen Gemüter erhitzt. „Hier sieht man mal wieder die französische Industriepolitik der Regierung”, haben die einen gesagt. „Kann man in einem solchen Land als Ausländer eigentlich noch investieren?”, haben sich die anderen gefragt. „Sind wieder gewisse Ressentiments gegenüber der deutschen Wirtschaft ausgebrochen?”, haben die ganz Ängstlichen angemerkt.

Wir möchten hier keine Stellungnahme über die Beweggründe und insbesondere die Wirtschaftlichkeit der beiden Vorgänge abgeben. Hier kann man sicherlich einige Zweifel anmelden. Uns geht es vielmehr um das Vertrauen in den französischen Industriestandort.

Wir befinden uns wieder einmal in einer angeheizten politischen Situation, bei der persönliche Machtansprüche im Vordergrund stehen und in der völlig losgelöst von wirtschaftlichen Überlegungen gehandelt wird.

Die scheinbare Dominanz der zahlenmäßig immer kleiner werdenden französischen Großindustrie, die im krassen Widerspruch zu der tatsächlichen Wirtschaftslandschaft steht (vgl. Diagnostic News, Ausgabe April 2004), wurde leider demagogisch missbraucht. Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen sind hierdurch jedoch in keiner Weise gefährdet und entwickeln sich ohne großes Aufsehen in der Öffentlichkeit weiterhin zum Besten, losgelöst von politischen Erklärungen und Handlungen der Regierung. Die Faktoren, die Erfolg bei den französischen Tochtergesellschaften garantieren, basieren in erster Linie auf firmeninternen, produktbezogenen Gründen.

Der französische Markt ist für deutsche Unternehmen weiterhin sehr wichtig und seine Attraktivität ist keineswegs rückläufig. Dies wird auch für 2003 wiederum im internationalen Vergleich zu anderen Ländern bestätigt.

Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe von Diagnostic News viel Spaß.

Ihre Diagnostic News-Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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