DiagnosticNews . April 2003  . Editorial

Der französische Abschlussprüfer im Visier des Staates

Dr. Kurt Schlotthauer

Ein wichtiges Gesetz für den Berufsstand des „commissaire aux comptes“ durchläuft im Augenblick das französische Gesetzgebungsverfahren. In erster Linie wendet es sich an den Abschlussprüfer von Börsenunternehmen. Die Auswirkungen der internationalen Finanzskandale werfen hier ihren Schatten. Es sollen damit insbesondere eine Absicherung der Finanzmärkte und die Zurückgewinnung des verloren gegangenen Vertrauens erreicht werden. Die Unabhängigkeit, die Integrität, aber auch das moralisch und ethisch absolut einwandfreie Verhalten des Prüfers sind hierfür eine unabdingbare Voraussetzung.

Das neue Gesetz nimmt nunmehr das unbestreitbare individuelle Fehlverhalten einiger Mitglieder unseres Berufsstandes zum Anlass, die direkte Kontrolle des Staates über alle französischen Abschlussprüfer einzurichten. Die bisherige Selbstverwaltung und Eigenkontrolle des „commissaire aux comptes“, wie dies in allen anderen Ländern der Fall ist, genügt dem französischen Staat nicht mehr. Die Einführung einer Hohen Behörde („Haut Conseil“) als Überwachungsgremium, das direkt dem Justizminister untersteht, ist vorgesehen. Ob hierdurch das gewünschte Ziel besser erreicht wird, bleibt abzuwarten. Zu einigen weiteren Einzelheiten des vorliegenden Gesetzentwurfes berichten wir in der vorliegenden Ausgabe.

Des Weiteren möchten wir nochmals auf die Möglichkeiten der Vorsteuerrück-erstattung für Bewirtungskosten der Arbeitnehmer der französischen Gesellschaft hinweisen und die dabei einzuhaltenden Fristen und Erstattungsmodalitäten darstellen.

Auf die immer wieder auftauchende Gefahr der persönlichen Haftung der Gesellschaftsorgane (z. B. Geschäftsführer) im Falle einer Konkursverschleppung wollen wir anhand einer neueren höchstrichterlichen Entscheidung hinweisen.

Schließlich berichten wir über ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das Auswirkungen auf die in Frankreich noch bestehende unterschiedliche Behandlung zur Frage der Unterkapitalisierung von inländischen und ausländischen Tochtergesellschaften haben wird.

Und letztlich stellen wir Ihnen wie immer einige uns wichtig erscheinende Änderungen in bilanztechnischen sowie steuerlichen und arbeitsrechtlichen Fragen dar.

Viel Spaß bei der Lektüre und vielleicht auch einige interessante Tipps für Ihr Tagesgeschäft wünscht

Ihre Diagnostic News Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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